Pferdenotruf Archiv 2000
Re: nervenschnitt
Hallo,
mit *Nervenschnitt* bezeichnet man die Durchtrennung eines oder mehrerer Nerven zum Zwecke der Schmerzausschaltung.
Bei der Hufrolle ist das etwa so:
Ein spezielles *Gelenk* im Bereich des Hufes weist einen Verschleiß auf (Arthrose). Dies und die damit in Zusammenhang stehenden *entzündlichen* Vorgänge führen zu mehr oder weniger ausgeprägten Reizerscheinungen (z.B. Überwärmung) und vor allem Schmerzen. Daher die Lahmheit.
Nun wird der Huf bis in die Spitze (wie die menschlichen Finger) im Prinzip durch 4 Nerven versorgt, die für die Gefühlswahrnehmung verantwortlich sind. 2 auf der Rückseite, 2 beugeseitig. Über diese Nerven wird normaler Weise auch die Schmerzempfindung übertragen.
Nun benötigt das Pferd aber nicht unbedingt alle 4 Nerven für ein *ausreichendes* Gefühl.
Man sollte zunächst die in Frage kommenden Nerven *Abspritzen*. Dabei gibt man in die Nähe des Nerven an der Stellen, an der man auch operieren würde, ein lokales Betäubungsmittel. Dieses schaltet den Nerven medikamentös aus. Wenn das Pferd dann lahmfrei geht (also vortraben, harter und weicher Boden, Zirkel und gerade aus), dann dürfte auch die Durchtrennung der Nerven zu diesem Effekt führen. (Man probiert das sozusagen mit Medikamenten aus, ob die Operation helfen würde). Wenn das den gewünschten Effekt bringt, kann man die Operation machen lassen. Das ist keine große Sache. Kostet so 1500-2500,-- DM (war bei uns so)
ABER:
Das Pferd hat natürlich weiterhin die gleiche Krankheit, es hat halt nur keine oder nur geringe Schmerzen.
Also:
Wenn die Krankheit fortschreitet, wird das Pferd irgendwann wieder lahmen.
Das Pferd ist natürlich NICHT voll belastbar. Reiten ist natürlich möglich, aber in Maßen, kein Springen, keine engen Wendungen, lieber auch keine großen Ambitionen wie Turniere.
Allerdings:
Das Pferd kann Dir mit ein wenig Glück noch viele Jahre als guter Reitkumpel dienen und auch ein zufriedenes (lahmfreies oder lahmarmes) Pferdeleben führen.
Achtung:
Das Pferd hat im Huf weniger oder teilweise kein Gefühl. Deshalb besonders auf die Hufe achten. Hufgeschwüre beispielsweise können relativ unbemerkt entstehen und sich erst spät bemerkbar machen, weil ja der Schmerz wegfällt.
Fazit:
Wenn das Abspritzen den gewünschten Erfolg bringt, Du das Geld *übrig* hast, mit den Einschränkungen eines nicht voll belastbaren Pferdes leben kannst und es SELBST aus der Betrachtung Deines Pferdes für richtig hälst, DANN laß es machen.
Gruß, viel Glück
Roland
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