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Pferdenotruf Archiv 2000

Dasseln

Gasterophilus intestinalis

- die Magendassel des Pferdes

Dasselfliege:
8 bis 18 mm große Fliege, braun, dicht behaart und
hummelähnlich.
Dassellarve III
Magendassel):
Rötlich-braune, tonnenförmige, ca. 1,5 cm lange
Larve mit mehreren Dornenreihen am Rumpf und kräftigen Mundhaken.

Wanderlarven:
Maulhöhle, Rachenraum
Drittlarven:
Magen

Der Befall mit Magendasseln ist weit verbreitet; in manchen Gegenden ist jedes 2. Pferd befallen.
Das Anfluggeräusch der Dasselfliegen, die sich den
Pferden zur Eiablage nähern, beunruhigt die Tiere.
Oft versuchen die Pferde, die Dasselfliege durch
Abwehrbewegungen zu vertreiben bzw. vor ihnen zu
flüchten.
Die Hauptschadwirkung entsteht durch die Larven:
zum einen durch die in der Maulhöhle und im Rachenraum wandernden Erst- und Zweitlarven (Schwellung des weichen Gaumens, Entzündung der Zunge, Kau und Schluckbeschwerden), zum anderen durch die tief in der Magenschleimhaut verankerten Drittlarven.
Dort können sie chronische Magenschleimhautentzündungen sowie die Ausbildung von Geschwüren mit wallartigen Rändern auslösen. Gelegentlich kommt es sogar zum Magendurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung.
Als klinische Erscheinungen können Koliken,
wechselnder Appetit, Durchfall, Abmagerung und
Blutarmut infolge Verletzungen größerer Blutgefäße auftreten. Besonders bei Fohlen sind Entwicklungsstörungen, Leistungsminderung, verringerte Widerstandskraft und sogar Todesfälle zu beobachten.

1.In den Monaten Juni bis September legen die
weiblichen Dasselfliegen ihre sehr widerstandsfähigen und mit einem besonderen
Haftapparat versehenen Eier an den Haaren der Pferde ab.
2.Die daraus schlüpfenden Larven 1 dringen beim
Belecken der befallenen Stellen in die Schleimhaut der Maulhöhle der Pferde ein.
3.Nach einer Häutung suchen die Larven II ihren eigentlichen Sitz im Magen auf, wo sie zur
Larve III heranwachsen.
4.Die reifen Larven werden nach einem 8- bis
10monatigen Aufenthalt im Magen zum Beginn der warmen Jahreszeit schließlich mit dem Kot ausgeschieden.
5.Ihre Verpuppung findet dann in den oberen
Schichten des Weidebodens statt.
6.Nach einer Puppenruhe von 3 bis 4 Wochen
schlüpfen die Dasselfliegen und beginnen unmittelbar nach der Paarung mit der Eiablage. Die Fliegen besitzen keine Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme. Daher überleben sie höchstens 3 Wochen, in denen sie Eier ablegen.

Abgesehen von der Magenspiegelung (Gastroskopie)
stehen keine sicheren Routineverfahren zur Erkennung des Befalls mit Magendasseln beim Pferd zur Verfügung. Auch findet man nur selten Larven im Kot. Im Sommer und Herbst sind die an den Haaren abgelegten Eier ein Hinweis für einen zu
erwartenden Befall mit Magendasseln.

Nur beim Auftreten des "Streifensommerekzems"
kann auf eine Infektion mit Larven von
Gasterophilus inermis (Backenbremse), einer
anderen Gasterophilus-Art, geschlossen werden. Dabei kommt es an der Seitenfläche des
Pferdekopfes entlang der Larvenbohrgänge zu Entzündungen und streifenförmigem Haarausfall.

Eine medikamentelle Abtötung der Larven im
Verdauungstrakt der Pferde sollte bereits im
Spätherbst erfolgen (Mitte November bis Mitte
Dezember). Damit werden nicht nur Schadwirkungen infolge Larvenbefall verhindert, sondern es wird auch der Entwicklungszyklus unterbrochen. Es sollten alle Pferde eines Bestandes behandelt
werden, um das Risiko einer Neuinfektion im
folgenden Sommer deutlich zu reduzieren.

Als unterstützende Bekämpfungsmaßnahme wird
empfohlen, die am Haarkleid der Pferde anhaftenden Eier zu entfernen.

Ich hoffe dieser Bericht klärt alle Fragen über Zeitpunkt und Notwendigkeit.
Sabine

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