Pferdenotruf Archiv 2000
Durchgänger
Hallo Pat! Habe die Nachrichten gelesen von Deinem wilden Tier. Zu meinen Erfahrungen: ich hatte auch einen "Puller" im Gelände; er war sehr lieb, aber im Gelände immer stocksteif, Kopf oben; zittern, tanzen; er ging aber nicht durch: weil ich ihm ein PELHAM (Doppelzügel) gegeben habe. Das wirkte. Wie eine Notbremse. Aber es stimmt: man muß es früh bemerken, ihn beruhigen, mit ihm reden, ihn ablenken. (Ich würde auch nicht absteigen, denn dann hat man ja keinerlei Einwirkung mehr! Halte ich für noch gefährlicher). Wenn er wieder mal herumgetanzt ist (meist Richtung Stall: statt Schritt ging er dann stocksteif so eine Art "Trab am Stand") habe ich ihn einfach SCHNELL AM STAND UMGEDREHT von der Richtung her. (weg vom stall). Dann blieb er sofort stehen. Und das haben wir gespielt, bis er zu Hause war. Klar ist es mühsam; wie gesagt: mit Pelham ist es sicher besser als nur mit Trense (Achtung: zweiten Zügel nur vorsichtig annehmen, sonst gewöhnt er sich auch daran! UND: ganz wichtig: auch wenn man angst hat: niemals zeigen! Lieber auf das Pferd einreden. Ich habe meinem Pferd im Gelände immer viel erzählt, dann hat es zugehört und sich beruhigt.P.S.: schimpfen macht es schlimmer!) Und was ich noch getan habe: mehr longieren. Denn was Du beschreibst, ist nicht nur Übermut: es ist auch Ungehorsam. An der Longe ist meiner z.B. manchmal einfach auf mich zugelaufen; mit angelegten Ohren; hat kurz vor mir kehrt gemacht und dabei aber ausgeschlagen...!! Mein Trainer sagte: schwerer Ungehorsam. Er sah SICH SELBST als "starkes Pferd", und hat mich überhaupt nicht mehr akzeptiert. Ich denke, das kommt bei schwächeren Reitern (und auch bei zuwenig Dressurarbeit am Platz!) fallweise vor, daß das Pferd "Die Führung übernimmt"! Ich rate daher auch Dir, Dein Pferd an der Longe mal Deinem Trainer zu zeigen und es genau zu beobachten, ob es überhaupt noch folgsam ist oder nicht; und ich rate zu wesentlich mehr Training am Platz mit ihm. (Und vielleicht nicht knapp vor dem Füttern ins Gelände gehen; Pferde wissen ganz genau, wann sie gefüttert werden; und dann wollen alle nur eins: so schnell wie möglich nach Hause....!) Und eins ist auch nicht möglich: vor einem Stoppelfeld anhalten wollen. Alle Pferde wollen über ein Stoppelfeld galoppieren. Ich habe das zulassen, am Ende des Feldes blieb meiner dann eh immer brav stehen. Das Anhalten dauert natürlich auch etwas, er ist ja schnell. Mein Trainer sagte noch: mit den Zügeln abwechselnd rechts und links annehmen, so daß beinahe der Kopf "wackelt"; so bekommt man ihn "schonender" unter Kontrolle; wenn das nicht hilft nach einiger Zeit: dann wie es schon jemand hier beschrieben hat: mit einem Zügel scharf nach oben "reißen". Das tut ihm mit Sicherheit weh, aber es könnte helfen.Achtung: SICHER SITZEN! Einen weiteren Tip: am Ohr zwicken. Das könnte ihn auch ablenken; hat bei einer Bekannten geholfen.
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